Der Tiny House Trend - Eine neue Form des Wohnens

Die Tiny House Bewegung (engl. Tiny House Movement) entstand als Folge der Finanzkrise zu Beginn der 2000er, als sich viele US-Amerikaner keine großen Häuser mehr leisten konnten. Folglich musste man sich in den USA brauchbare Alternativen einfallen lassen. Schnell war eine „Lücke“ gefunden: das Bauen auf einem Anhänger/Trailer. Das eigene Haus auf Rädern (THOW - Tiny House on Wheels) wurde damit zu einem neuen Trend - dem Tiny House Trend. Dieser verbindet nicht nur Wohneigentum und Altersvorsorge, sondern befreit die Menschen auch von der Sorge um Obdachlosigkeit. Außerdem spiegelt diese Wohnform den Nachhaltigkeitsgedanken wider, da unter dem Aspekt der Ökologie vor allem Trends aus dem Bereich des Minimalismus (englisch Downsizing) aufgegriffen werden.

Tiny House Besitzer, die diese Bewegung formen, fühlen sich gut dabei auf einer begrenzten Fläche zu leben. Der Wandel, in einem winzigen Haus zu leben, setzt jedoch vorangehende Transformationsprozesse voraus. Die Herausforderung in einem Tiny House besteht darüber hinaus darin, begrenzten Raum sinnvoll zu nutzen - durch Multifunktionalität von Gebrauchsgütern und Gegenständen des täglichen Bedarfs.
Auch in Deutschland findet das Tiny House bedingt durch den Wunsch nach Minimalismus oder Autarkie mehr und mehr Anhänger. Neben der ursprünglichen Variante existieren heute verschiedenste Formen wie Minihäuser, Modulhäuser, Erdhäuser, Containergebäude und Baumhäuser, die den Trend des Minimalismus und des bezahlbaren Wohnraums auf verschiedene Arten erweitern.

Alternative Wohnformen in Deutschland

Das alternative Wohnkonzept erinnert an Peter Lustig und seinen Bauwagen. Abgeschieden von der Zivilisation, ein Leben im Grünen – einige denken dann sofort an ein Aussteigermodell. Aufgrund zunehmenden Platzmangels und steigender Mieten wächst die Zahl der Interessenten, die sich mit dem Thema Tiny House beschäftigen. Dies macht es auch hierzulande interessant und zu einem alternativen Wohntrend. Der Trend ist geprägt durch Nachhaltigkeitsaspekte, ein Bewusstsein für Minimalismus und eine entsprechend darauf ausgerichtete Planung des Lebensweges. Kennzeichnend für eine erste längerfristige Spezialisierung in Deutschland ist auch der stetige Anstieg von Herstellern, Handwerksbetrieben, Manufakturen und der Industrie, die sich mit dem Trend „Tiny House“ beschäftigen.

Das Tiny House liegt im Trend - doch es fehlen noch genügend Grundstücke und Stellplätze

Der Tiny House Trend kommt in Fahrt. Erste Communitys, wie etwa das Tinyhouse Village (Tinyhouse Mehlmeisel im Fichtelgebirge), bieten schon Stellplätze an. Vereinzelt findet man auch weitere solcher neuen Gemeinschaften (Dörfer). Doch scheint die Summe an Stellplätzen schnell an ihren Grenzen zu sein, sodass viele Interessierte ihren Wunsch nach einem eigenen Tiny House deshalb kurzerhand wieder ablegen. Erste Tiny House Festivals, etwa in Berlin, zeigen kreative Wohnformen. Auch in Hamburg, wo Mietpreise jährlich steigen, macht Bernd Kniess, der Wohn- und Lebensformen der Zukunft erforscht, das Thema zur Debatte. Solche Veranstaltungen und Festivals machen eine Vernetzung sowie den Erfahrungsaustausch unter Interessierten möglich. Für die Stellplatzsuche gibt es zudem verschiedene Plattformen im Netz. Doch erreicht man durch die Teilnahme an Festivals oder Stammtischen manchmal schneller und persönlicher das Such-Ziel „Stellplatz und/oder Grundstück“.

Tiny House Trend - Vorteile eines Tiny House

Minihäuser liefern durch das Schaffen von bezahltem Wohneigentum positive Aspekte, da hierfür geringere Investitionen notwendig sind. Interessiert man sich für die Finanzierung eines Tiny House, so spart man im Vergleich zu normalen Wohnimmobilien (20-30 Jahre) viel Zeit (Tiny House: 8-10 Jahre). Damit ist man im Vergleich zu Kapitalanlagen in herkömmliche Immobilien schneller unabhängig. Zur frühen Unabhängigkeit kommen außerdem Komponenten wie Flexibilität und Mobilität. Ein Tiny House ermöglicht es zum Beispiel innerhalb Europas mit dem eigenen Heim in den Urlaub zu fahren. Dadurch ergeben sich wieder praktische Einsparungen. Im Alltag ermöglicht das reduzierte Wohnen mehr Zeit für das Wesentliche.

Zielgruppe Tiny House: Wohnen wie Peter Lustig

Minimalistisches Wohnen kann etwas für preisbewusste Menschen sein; denkt man allerdings an den Loftcube von Aisslinger, eines der ersten Designer-THs, so sprechen wir von einer hochpreisigen Variante. Der Tiny House Trend geht nicht unbedingt in diese Richtung. Eine solch preisintensive Option ist wohl eher für Menschen, die sich mit ihrem Objekt schmücken wollen, anstatt wirklich auf kleinerem Fuß zu leben. Der Preis für ein Tiny House orientiert sich zum einen an der Art des Baus sowie an der gewünschten Ausstattung. Baut man selbst (DIY - Do it yourself) oder greift man direkt auf eine Fertiglösung zurück?

Heimwerker werden preislich immer einen großen Vorteil haben. Zudem kann man sich so sein eigenes, einzigartiges Domizil erschaffen, wie es kein anderer hat. Erinnern wir uns doch an Deutschlands vielleicht beliebtesten Erklärbär, Peter Lustig, mit seinem Bauwagen. Die Stuhltreppe, die zur Dachterrasse führte, ist wohl ein eindeutiges Merkmal seiner Art des Tiny House.

Gegen den Mainstream

Einschlägige Medien titeln immer wieder von Aussteigern, Alternativen oder Minimalisten. In einschlägigen Diskussionsgruppen wird aber sogar hin- und wieder ein Tiny House für ältere Personen gesucht. Für Senioren, die nicht mehr so agil und reiselustig sind, reicht ein Minihaus, welches nicht auf Rädern gebaut wird, meist aus. Es sollte darüber hinaus auch die Möglichkeit bieten, darin später mit Gehhilfe oder Rollstuhl zurechtzukommen. Altersgerechtes Wohnen im Minihaus ist in Deutschland aber noch eine Nische, erfährt aber durch den aufkeimenden Tiny House Trend mehr und mehr Beachtung.

Für wen eignet sich ein Tiny House?

Die Kernzielgruppe besteht aus Menschen, die ausgetretene Pfade verlassen wollen und es als Bereicherung sehen, etwas Neues auszuprobieren. Dennoch lassen sich diese Menschen, trotz des stärker werdenden Tiny House Trends, nicht zwangsläufig „in eine Schublade“ stecken. Sicherlich ist es aber nicht verkehrt, eine Kombination aus einem Öko, Minimalisten, Alternativen, Naturverbundenen, Tüftler, Erfinder, Allround-Handwerker oder auch Lebenskünstler zu sein, wenngleich es kein Muss ist! Wo konkret man Peter Lustig, Fernsehmann und Buchautor, der Kindern bis Ende 2005 in seiner ZDF-Sendung Löwenzahn die Welt erklärte und darin in seiner Rolle selbst in einem Bauwagen lebte, einordnen soll, bleibt ein Rätsel.

Tiny House Trend - An die Zukunft gedacht?

Selbst für Familien kann ein solches Domizil als Altersruhesitz genutzt und sogar mit kleiner Rente gut in Stand gehalten werden. Für kinderlose Paare mit Kinderwunsch sind die Entscheidungsprozesse wahrscheinlich komplexer. Doch auch hier könnte das Paar das Tiny House als Erwerbs- bzw. Grundsicherung im Alter sehen. Je nachdem ob das kleine Haus dann als Mietobjekt oder selbst genutzt wird.

Anbieter alternativer Wohnformen - Tiny House & Co.

Während man aus dem klassischen Fertighausbau und Modulhausbau Namen wie SchwörerHaus kennt, so redet man in der Tiny House Szene von Anbietern wie Koersmann und Tiny House Rheinau. Einem breiteren Publikum wurde der Tiny House Trend bekannt, seitdem Tchibo in Kooperation mit Tiny House Diekmann in den Vertrieb kleiner mobiler Häuser eingestiegen ist.

Weitere Anbieter aus Deutschland sind die Tischlerei Bock, Tiny House Manufaktur und GOTINY. Zudem findet man auch in anderen europäischen Ländern namenhafte Hersteller der kleinen Domizile, wie z.B.: Wohnwagon (Österreich), Tiny House Allgäu (Schweiz), Ma petite Maison (Frankreich), Tiny-House.nl (Niederlande), sowie viele andere.

Tiny House Trend – Do-it-yourself oder Fertighaus?

Auf der sicheren Seite ist man, wenn man zumindest für den Rohbau einen Architekten ins Boot holt. Der Experte hat auf viele Fragen vermutlich sofort eine -bauordnungsrechtliche- Antwort.

Komplette Fertiglösungen sind zwar alltagstauglich, aber oftmals nicht individuell genug und damit für den Einzelnen möglicherweise unbrauchbar. Für Selberbauer gibt es daher bereits einige Workshops. Beispielsweise veranstalten My Tiny House Project gemeinsam mit der Tischlerei Christian Bock solche Bauworkshops mit verschiedenen Schwerpunkten. Weitere Tischlereien warten ebenfalls mit Tipps und Tricks für Selbermacher auf. Im Netz findet man außerdem komplette Bauanleitungen.

Einen Grundriss zu zeichnen ist eine Sache. Den Entwurf später umzusetzen und in seinem fertiggestellten Tiny House zu stehen, jedoch eine Andere. Zur digitalen Unterstützung und Zeichnen des Grundrisses gibt es eine Vielzahl an Programmen - Sketchup, (Auto-)CAD, SweetHome3D, SolidWorks, Blender 3D, Inventor, TopSolid, Rhinoceros, Home by me oder von IKEA bereitgestellte Planer-Software wie dem IKEA Küchenplaner. Letzter hat den Vorteil, dass die am Computer zusammengestellten Produkte auch real begutachtet werden können.

Alternativ ist der Zimmermannsbetrieb deiner Wahl eine sinnvolle Anlaufstelle. Gut beraten ist man darüber hinaus immer mit einem Besuch beim Baumarkt, wie z.B. Hagebau, toom, oder Obi, um ein Gefühl für die verschiedenen Baumaterialien, Fenstergrößen, etc. zu bekommen. Auch ein Besuch bei IKEA kann helfen eine Vorstellung für die Maße von Möbeln und weiterer Einrichtungsgegenstände zu bekommen.

Mit Sketchup...

... Stück für Stück ...

... zum eigenen ...

... Tiny House

Fehlende Erfahrung kann durch Investition in Zeit wettgemacht werden

Falls geplant ist, das komplette Tiny House selbst zu bauen, dann ist eine lange, strukturierte Vorgehensweise und Planungszeit sehr zu empfehlen. Erfahrungsberichte aus der DIY-Fraktion zeigen, dass oftmals anfängliche Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel vorliegen. Diese hatten oft einen Umbau zur Folge. Die Gefahr für Eigenbauer liegt daher oft an mangelnder Erfahrung. Außerdem fehlt zumeist ein Gefühl für den geplanten realen Raum. Da nützen dann auch die schönsten 3D-Grafiken wenig, da man Ereignisse wie Lichteinfall oder Blickachsen erst im realen Betrieb testen kann. Ein glückliches Händchen für eine gemütliche Einrichtung ist darüber hinaus hilfreich.

Tiny Houses und Ihre Bedeutung in Zeiten zunehmender Globalisierung

Digitalisierung und Globalisierung beschleunigen unseren Alltag. Dabei ist optimiertes Denken unabdingbar – schneller, komplexer, innovativer. Raum sollte sinnvoller und effektiver genutzt werden. Allerdings verpuffen die Effekte, die durch energieeffizienteres Bauen von Gebäuden und dem daraus generierten Fortschritt entstehen, wenn am Ende pro Kopf immer mehr Wohnfläche in Anspruch genommen wird. Zudem wachsen mit steigendem Wohlstand die Konsumausgaben. Kapitalistisch ausgelegte Wirtschaftsmodelle, wie unseres in Deutschland, sind darauf ausgelegt, unseren (theoretischen) Bedarf an Gütern stetig zu steigern. Durch diesen erzwungenen Konsum füllen wir Raum um Raum. Wer kennt ihn nicht, den überladenen Dachboden oder den vollgestellten Keller. Das Ausmisten würde zum Marathon werden.

Der Ansatzpunkt der Bewegung hinter dem Tiny House Trend verfolgt hingegen ganz andere Ziele. Eine bewusste Beschränkung bzw. Vermeidung von Konsum und damit die Reduktion auf das Wesentliche/Nötige sind die Charakteristika und geben damit so Slogans wie „Think global, act local“ ein neues Gesicht. Die aufgekommene Bewegung um den Konsumverzicht aus der Zeit der Finanzkrise kann inzwischen als kleine Rebellion der Häuslebauer verstanden werden. Dennoch fehlt es bei einem modernen Tiny House zumeist schon lange nicht mehr an fortschrittlicher Ausstattung und umweltfreundlicher Technologie. Downsizing ist für viele der Hauptbeweggrund, um sich mit dem Tiny House Trend zu beschäftigen. Das dieses Prinzip gut funktioniert, zeigen Marken wie Apple, Nike oder Tesla, deren Produkte an einen bestimmten Lifestyle gebunden sind.

Tiny House Trend als Gegenpol zur Konsumgesellschaft

Bis zum Traum über das Aussteigen aus unserer Konsumgesellschaft ist es mit einem Tiny House gar nicht so weit. Es existieren schließlich bereits vollständig autarke Häuser, die ausschließlich über regenerative Energien Strom produzieren und Wärme erzeugen. Auch die Verwendung ökologischer Materialien, mit Maßgabe zur Langlebigkeit, sind nicht unbedingt konsumfördernd. Überdies beschäftigen sich nachhaltig lebende und denkende Menschen zugleich mit Themen wie etwa Ernährung, Gesundheit und Müllvermeidung. Es liegt oftmals bereits ein geschärftes Bewusstsein für globale Zusammenhänge und soziale Koexistenz vor. Der Zielgruppe ist wichtig, dass Lebensmittel und andere Dinge rund um das Tiny House, nicht für den Müll produziert werden. Schließlich sollte für sie auch auf dem Teller unserer Wohlstandsgesellschaft gelten: weniger ist mehr. Aktuelle Debatten um Biogurken in Plastikverpackung, Einweg-Kaffeebecher und dem Deutschen Rekord um den Verpackungsmüll verfolgen Sie aktiv. Themen wie Mini-Biogas-Anlagen-Modelle z.B. der Firma Vattenfall werden kontrovers diskutiert.

Tiny House Trend - Autarkie zur Steigerung der Unabhängigkeit

Selbstbestimmt und autark leben, das wollen viele Tiny House Konstrukteure. Dabei muss man sich auf dem Weg zur Unabhängigkeit mit Themen wie den Möglichkeiten zur Wasser- und Energieautarkie, Heizmöglichkeiten und Komposttoilette oder Trockentrenntoilette beschäftigen.

Ganz gleich ob die Wände des Tiny House nur 8cm oder einen halben Meter dick sind, irgendwann wird es unangenehm kalt im Inneren. Damit man aber auch zur kalten und dunklen Jahreszeit nicht ohne Heizung und Strom überwintern muss, empfiehlt sich der Einbau eines Heiz-Systems sowie einer autarken Stromversorgung.

Ganzjähriges Wohnen im Tiny House durch die richtige Heizung

Die sicherlich einfachste Variante stellt der klassische Feststoffbrennofen, in Form eines Holzofens dar. Ein wenig Anmachholz (z.B. Weichholz aus Fichten- oder Kiefernholz) angefeuert, danach die größeren Holzscheite daraufgelegt und ein paar Minuten später füllt angenehme Wärme den Raum. Die Nachteile der ungleichmäßigen Wärmekurve sowie des manuellen Nachlegens (besonders schwierig während man schläft) gleicht ein Pelletofen durch automatische sowie bedarfsgerechte Zufuhr von kleinen Holz-Pellets aus. Da diese Modelle derzeit aber noch zu groß für ein Tiny House sind, hat sich der Gasofen als bequeme Installationsvariante durchgesetzt – gesteuert durch ein Thermostat kann die Heizkurve auch über Nacht konstant gehalten werden. Bekannte Hersteller wie TRUMA und ALDE bieten bereits seit Jahren abgestimmte System für den ambitionierten Wintercamper an.

Alle Systeme können zudem Brauchwasser für Dusche oder Waschbecken erwärmen, sei es über direkte Erhitzung im Boiler (z.B. TRUMA und ALDE) oder Abgabe der Hitze über einen Wärmetauscher oder eine Wassertasche (Feststoffbrennofen). Als Unterstützung für die Warmwasseraufbereitung kommt auch verstärkt Solarthermie zum Einsatz. Auf dem Dach oder an der Wand des Tiny House installiert, vernünftig nach Süden ausgerichtet, können diese Module einen nicht unerheblichen Anteil zum Warmwasser beitragen. Des Weiteren kann man bei besonders cleveren Konstruktionen, wie z.B. dem „Dwarf 5kw Cookstove Combo“ von TinyWoodStove, 3 Aspekte mit nur einem Feuer verknüpfen – das Tiny House heizen, Brauchwasser erhitzen sowie durch den angebundenen Herd Brot oder Kuchen backen. Die romantische Komponente eines flackernden Feuers mit der Vorstellung von frisch gebackenem Brot im eigenen Tiny House ist bei der Entscheidung für eine Heizungsart nicht zu unterschätzen.

Wasserversorgung als zentrale Komponente im Tiny House

Möchte man sich auch unabhängig von Wasseranschlüssen machen, kommt man um eine (Grau-)Wasserfilteranlage nicht herum. Diese sorgt mit Hilfe der Kombination verschiedener Filtertypen (Grobfilter, Feinfilter, Keramikfilter, UV-Filter) sowie unter Betrieb einer Umkehrosmose-Anlage dafür, selbst schmutziges Seewasser wieder in reines Trinkwasser verwandeln zu können. Bekannte Hersteller dieser Filter sind Atlas Filtri oder Katadyn.

Ein Einbinden der Toilette in diesen Kreislauf hätte die Erzeugung von Schwarzwasser zur Folge, dessen Reinigung deutlich mehr Platz beansprucht sowie eine deutlichen Mehraufwand an Energie bedeutet. Da beides im Tiny House nur begrenzt existiert, geht man hier bevorzugt den Weg der Kompost- oder Trockentrenntoilette, z.B. von Separett oder Holzapfel+Konsorten.
Hierbei werden feste und flüssige Ausscheidungen getrennt, der Kot anschließend mit Stroh, Mulch oder Sägespänen abgedeckt. Noch vorhandene Flüssigkeiten und Verursacher von Gestank werden dabei gebunden. Ein kleiner Ventilator mit Anbindung an ein nach außen führendes Rohr sorgt für die Abfuhr von auftretenden Gerüchen. Sowohl die festen als auch die flüssigen Bestandteile kann man später als natürlichen Dünger einsetzen.

Neben Heizung und Wasserversorgung ist eine autarke Energieversorgung die dritte Säule.
Neben elementaren Dingen wie Kühlschrank und Pumpen des Wasserkreislaufs wollen auch Küchengeräte, Lampen und Steckdosen mit Strom versorgt werden. Erzeugt wird dieser über Photovoltaik-Module, welche die Sonnenenergie in Strom umwandeln, welcher wiederum in einem Lithium-Ionen-Akku z.B. LG, Sonnen oder Samsung gespeichert wird. Somit lassen sich bei vernünftiger Planung mehrere Woche ohne Sonne aushalten. Eine Erweiterung um eine Windkraftanlage verteilt die Erzeugung durch Strom aus regenerativen Energien auf mehrere Quellen und erhöht die Ausfallsicherheit.

Die neue Kommunikationsanbindung ist schnurlos - und somit ortsunabhängig

Will man zwar autark von Versorgungsnetzen leben, aber dennoch mit der Welt auf sozialer Ebene verbunden sein, kommt man um moderne Kommunikationstechnologie wie Smartphone oder Internet (fast) nicht mehr herum. Für den kleinen Bedarf reicht in den meisten Fällen als handelsübliches Smartphone mit einem Datenvolumen von 2-4GB. Günstige Anbieter wie klarmobil stellen eine Allnet-Flat mit unbegrenzter Telefonie, SMS und 2GB Datenvolumen bereits ab unter 9€ monatlich zur Verfügung.

Sollte man sich trotz der Reduzierung auf ein Tiny House nicht von prall gefüllten Online-Videotheken und Streaming-Diensten wie Netflix, Amazon Prime Video oder Maxdome trennen können oder wollen, hat man mit dem GigaCube von Vodafone (200GB Datenvolumen) die wohl aktuell beste Möglichkeit „autark, aber online“ zu sein. Sollte man sich, zumindest in den eigenen vier Wänden des Tiny House, von mobiler Vernetzung trennen wollen, bieten kleine Cafés in vielen Städten mittlerweile frei verfügbares Internet an. Einem Plausch mit Freunden in Australien via Skype oder dem Upload von Bildern auf Instagram kann man mit einem leckeren Milchkaffee das Sahnehäubchen aufsetzen.

 

Tiny House Checkliste
Tiny House Checkliste

Tiny House Trend - In den Medien und Informationsplattformen

Moderne Medien und soziale Netzwerke, wie Facebook, werden für die Vernetzung und Verbreitung des Tiny House Trends intensiv genutzt. Im Tiny House Forum trifft man auf viel Expertise und kann seine Recherchen zum Rohbau beginnen. Dort beließt man sich etwa zum Wandaufbau oder zum Boden- und Dachaufbau, kann sich über die Befestigungsmöglichkeiten des Tiny House am Anhänger informieren oder über die ALDE Warmwasserheizung (Heizsysteme in Wohnmobilen). Darüber hinaus dienen Webseiten wie das Tiny House Forum oder Facebook-Gruppen wie Tiny House Deutschland ganz nach dem Prinzip der Schwarmintelligenz zum Mitdiskutieren oder stillen Mitlesen. Neben Themen wie den Bau eines Tiny House werden auch weitere gesellschaftliche oder wirtschaftliche Interessensbereiche behandelt. Häufige Tags in diesen Bereich sind: #naturnah, #ökologisch, #nachhaltig, #kostengünstig, #flexibel, #minimal, usw.

Die DIY - Do it yourself – Zielgruppe findet in Pinterest Inneneinrichtungslösungen und zahlreiche Ideen für platzsparende Möbel und deren multifunktionale Lösungsansätze. Hier erlebt die DIY-Bewegung eine wahrhaftige Renaissance.

Das Fernsehen entdeckt den Tiny House Trend

Der Fernsehsender SIXX strahlt seit dem 02. September 2017 nun bereits in der siebten Staffel im Free-TV regelmäßig Episoden unter dem Seriennamen „Tiny House - Wohntraum XXS“ aus. Das Fernsehformat ist zwar aus den USA, zeigt aber dennoch viele gute Ideen, die manchmal auch in Deutschland umsetzbar sind. Wohnraum-Inspirationen können gelegentlich auch aus so Sendungen wie „Zu Hause im Glück“ oder „Die Schnäppchenhäuser“ auf RTL II oder „Einsatz in 4 Wänden“ mit Tine Wittler und „Helfer mit Herz“ auf RTL geben. Hin und wieder zeigt auch der WDR, N-TV, der NDR, die ARD oder das ZDF, KabelEins sowie die Hessenschau gute Reportagen. Dabei wird auch oft von dem die Szene prägenden Architekten Van Bo Le-Mentzel gesprochen, der das Tiny100, einen Prototypen der 100 Euro-Wohnung entwickelt hat und mit seiner Anfang 2016 gegründeten Tinyhouse University, am Bauhaus Campus Berlin, soziale Nachbarschaft auf kreative Weise erforscht.

Tiny House Trend und die Umstellung der Lebensgewohnheiten

Mit dem eigenen Tiny House findet meistens auch ein Lebenswandel statt. Alte Gewohnheiten werden gegen Neue eingetauscht. Wichtig ist dabei oft, wie transparent Hersteller bzw. Produzenten und der Handel sind. Die Konsumgüter müssen möglichst wieder dauerhaft haltbar sein. Sie sind daher auch bereit für eine ausgezeichnete Qualität tiefer in die Tasche zu greifen. Den eingeplanten Verschleiß der Hersteller für Ihre Produkte nehmen sie nicht oder nur sehr ungern in Kauf, da sie in ihrem ganzen Lebensstil ja auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Alles was im Minihaus verbaut wird, sollte möglichst später wieder die Möglichkeit haben, in einen Kreislauf zurückgeführt werden zu können, ohne dabei der Natur oder Umwelt einen Schaden zuzufügen. Plastikvermeidung und generelle Minimierung von Müll passen zu dieser Lebensumstellung genauso wie Kleidungskäufe im Second-Hand Handel.

Viele Menschen wollen heute weniger (schnell) sesshaft werden. Ganz im Gegenteil möchten sie möglichst flexibel sein und sich mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Dies führt dann automatisch zu einem minimalistischen Lebensstil und hat auch Auswirkungen auf die Architektur.

Mit jedem Schritt zu einem nachhaltigen Wohnen tun sich weitere Türen auf. Das hat eine kritischere Betrachtung unserer Wirtschaftssysteme und einen nachhaltigen Konsum auch in anderen Bereichen zur Folge. Vom DIY-Tiny House zur DIY-Kosmetik über bedachten Konsum der Lebens- und Nahrungsmittel bis hin zu Konsumverzicht und manchmal sogar zum umfassenden Selbstversorger. Ohnehin sollte alles möglichst bio und unbehandelt sein. Nicht nur die Produkte und Gegenstände im Tiny House sollten biologisch abbaubar sein, womöglich recyclebar und so natürlich wie möglich sein. Tiny House Besitzer haben diesen Anspruch auch an die Nahrung. Diese wurde in den letzten Jahren leider zunehmend ins Visier von Großkonzernen wie Monsanto, Bayer und Nestlé genommen und in Ihrer Natürlichkeit verfälscht.

Tiny House und Finanzen Geld (laufende Kosten, Finanzen)

Je nachdem wie viel (oder wenig) DIY-Leistung im Bauprojekt steckt, ist eine Finanzierung notwendig. In der Tat haben sich hier bereits einige Finanzierungsspezialisten herausgebildet. Wie unabhängig diese jeweils sind, bleibt aufzudecken. Aber auch immer mehr Hausbanken bieten sehr gute Konditionen. Wichtig ist natürlich die Bonität des Kreditnehmers. Eine Finanzierung mit Grundstück kann grundsätzlich deutlich günstiger als eine normale Finanzierung sein. Hintergrund ist, dass die Banken ein Tiny House i.d.R. nicht als Wohnsitz akzeptieren, wenn es nur auf gemietetem Grund aufgestellt wird. Deshalb muss die Bonität so gut sein, dass der Kredit auch neben der Miete für die feste Wohnung bedient werden kann. Selbst wenn das TH als Wohnsitz genutzt wird, setzt die Bank eine Mindest-Grundmiete an.

Da die Generation und Zielgruppe des Tiny House allerdings ohnehin sehr flexibel ist und im Moment lebt, kann der Ausbau auch auf die lange Bank geschoben und sukzessiv vorangetrieben werden. Nach dem Rohbau inklusive Fenster, Tür, Fassade, Dach und Dämmung, kann der Innenausbau, ähnlich einem großen Haus, grundsätzlich auch nach und nach durchgeführt werden. Wenn man dafür circa 10.000 Euro aufbringen kann, dann könnte man je nach Plan und eigenem Lebenskonzept und einem größeren Zeitfenster von einer Finanzierung über eine Bank Abstand nehmen.

Der Preis für ein Tiny House muss korrekt kalkuliert werden

Während in den Dokumentationen auf SIXX beispielsweise von einem Pärchen berichtet wurde, die mit einem Budget von 5.500 Dollar ein Tiny House gebaut haben, ist das in Deutschland, will man auch nur eine einzige Vorschrift einhalten, leider fast undenkbar. Die Faustformel ist daher an dem Faktor Zeit festzumachen. Hat man genug davon, dann ist das beim Geldsparen hilfreich. Schließlich will ein Tiny House Besitzer ja auch, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, ökologisch, biologisch und fair verarbeitete- sowie gehandelte Materialien einsetzen und diese dann doch möglichst zum günstigsten bzw. fairsten Preis. Bei einem kleinen Haus reichen darüber hinaus meist auch preiswertere Restposten, Second-Hand Materialien oder Second Hand Möbel. Umfangreiche und zeitintensive Suchen auf Portalen wie eBay Kleinanzeigen lassen einen so manch wertvollen Euro sparen. Während man aufgrund der Hygiene vielleicht ungern eine gebrauchte Matratze kauft, stört es einen bei Holz für die Fassade schon weniger.

Tiny House: Zulassungen und Baugenehmigungen

Die Zulassung eines Tiny House (auf Rädern) kann - eigene Vorlieben und lokale Gesetze sowie Freiheiten zuständiger Entscheider einmal außen vorgelassen - grundsätzlich auf mehreren Wegen erfolgen.

1. Gesicherte Ladung

Möchte man das Tiny House nicht durch riesige Spanngurte sichern, wie beim Sichern von Lasten im Straßenverkehr üblich (geregelt durch die Straßenverkehrs-Ordnung nach §22 StVO), kann es durchaus auch durch eine direkte Verbindung z.B. über Bolzen am Anhänger gesichert werden. Die Institutionen DEKRA oder TÜV müssen diese Art der Ladungssicherung anschließend abnehmen und als "zugelassene Ausnahme" bestätigen.

2. Wohnwagenzulassung

Tiny House

Eine andere Lösung ist die Zulassung des Tiny House als Wohnwagen, doch müssen hierbei deutlich mehr kritische Punkte erfüllt werden. Die finale Kontrolle und Zulassung anhand der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) erfolgt wieder durch die DEKRA oder den TÜV. Gerade bei geplanten Fahrten in das europäische Ausland kann die Zulassung als Wohnwagen von Vorteil sein.

3. Gebäude

Möchte man sich dauerhaft an einem Ort niederlassen oder wählt man eine räderlose Variante des Tiny House, so kommt man um einen Bauantrag nicht herum. Die Baugenehmigung wird von der der jeweiligen Gemeinde/Kommune erteilt (siehe § 10 BauNVO - Baunutzungsverordnung). Anzumerken ist, dass Wohnen auf Campingplätzen seit Mitte 2017 zwar bundesweit offiziell erlaubt ist, dies jedoch im Bebauungsplan der Gemeinde vermerkt sein muss.

Das Zugfahrzeug muss neben seiner abgenommenen Verkehrssicherheit durch o.g. Institutionen auch in der Lage sein, einen Anhänger mit maximal 3,5t Gewicht zu ziehen.
Während ein normaler PKW oder gängige Vans schon mit der Anhängelast überfordert sind, ist ein leistungsstarker Geländewagen oder SUV wie z.B. VW Touareg, Land Rover Discovery oder Jeep Grand Cherokee die bessere Wahl. Ist ein Kamin im Haus geplant, wird zudem eine Freigabe durch einen Schornsteinfeger erforderlich.

Fazit

Der Bau eines Minihauses kann der Beginn eines Lebenswandels sein. Er ist anspruchsvoll und mit intensiven individuellen Transformationsprozessen verbunden. Der aus den Grundgedanken des Minimalismus und Sicherheit geborene Trend des Tiny House ist mittlerweile auch bei der breiten Masse angekommen. Erschließen doch immer mehr Hersteller den Markt und bieten eine reichhaltige Auswahl für verschiedenste Wünsche – vom einfachen Holzhaus für Minimalisten, über autarke Lösungen für den Wunsch nach Unabhängigkeit bis hin zu Luxus-Designer-Objekten.

Tiny House Tour informiert über die kleinen alternativen Wohnformen. Im Fokus stehen zudem der Bau eines eigenen Tiny House sowie Interviews mit Manufakturen und Tiny House Bewohnern. Aber auch Themen wie Nachhaltigkeit, qualitativer Konsum und Gesundheit stehen auf dem Programm.


Bildnachweise

  1. Titelbild, Tiny House im Grünen: www.pixabay.com
  2. Abschnitt "Alternative Wohnformen in Deutschland": Tiny Living Festival
  3. Abschnitt "Gegen den Mainstream": Tiny Living Festival / Nicole
  4. Abschnitt "Für wen eignet sich ein Tiny House": Messe Karlsruhe/Rösner
  5. Hero "Unser Tiny House Projekt": Tiny House Tour
  6. Sketchup-Bilder 1-4 ("Mit Sketchup Stück für Stück zum eigenen Tiny House"): Tiny House Tour
  7. Staudamm/Wasserwerk: www.pixabay.com
  8. Recycling-Symbol: www.pixabay.com
  9. Windrad: www.pixabay.com
  10. Wasser-Filter: www.pixabay.com
  11. Solar-/Photovoltaik-Module: www.pixabay.com
  12. Feuer im Ofen: www.pixabay.com
  13. WiFi-Symbol: www.pixabay.com
  14. Spanngurt: www.pixabay.com
  15. Wohnwagen: www.pixabay.com
  16. Modellhaus auf Bauplan: www.pixabay.com