Jenny und das Projekt Tiny House

Man kann, das eigene Leben und die Vergangenheit reflektierend, sich nicht immer erklären, wie und warum man genau an dieser Stelle seines Lebens steht. Manchmal passieren die Dinge einfach so, ohne dass man darüber nachdenkt. Oftmals versucht man mehr zu planen, als man selbst beeinflussen kann. Und sicherlich ist der Zufall ein nicht unbedeutender Faktor.

Wer wir sind, wer wir waren - Der Wandel ist das Leben

Das ist die Geschichte meines persönlichen Wandels auf dem Weg zum Tiny House -  mit meinen Erwartungen und meinen Ängsten. Jedes neue Abenteuer hält schließlich gleichermaßen Positives wie Negatives bereit. Wichtig ist aber immer, was man aus der Situation macht.

Jennys Weg zum Tiny House

Puh, es ist schwer zu beschreiben, wie ich zu dem Schritt komme, den Marco und ich jetzt bald gemeinsam gehen werden: Dem Leben in einem Tiny House. Dem Leben auf engen Raum. Zu Zweit. Letztlich sicherlich einem Leben mit gemeinsamen Kompromissen. Es stelle sich nur einmal jemand vor: Mit dem Partner seiner Wahl auf so engen Raum zu leben, auf unbestimmte Zeit. Das setzt schon eine hohe Dosis Liebe voraus. Nebenwirkungen sollten von vornherein nicht ausgeschlossen werden.

Ein Traum wird wahr

Jedenfalls haben viele Begegnungen und Impulse dazu geführt, dass wir uns jetzt auf den Weg begeben, diesen gemeinsamen Traum zu verwirklichen. Marco als Konstrukteur und Experte für alle technischen und rechercheintensiven Vorarbeiten. Ich für die Liebe zum Detail und die Verbreitung sowie Kommunikation im Rahmen unseres Vorhabens.

Couchsurfing und das Tiny House

Wie bin ich auf diese Wohnform gestoßen? Das kam so:
Im Jahr 2014 habe ich das erste Mal das Netzwerk Couchsurfing ausprobiert und bin seitdem begeistert von seiner Wirkung und den Menschen, die sich dort vernetzen und finden. Im Februar 2016 wollte ich dann in die Sächsische Schweiz zum Wandern. Der Duft der Natur und die Berge fehlten mir in Leipzig. Über Couchsurfing fand ich Beatrix Beyer in Großharthau-Bühlau. Von dort hatte ich eine gute öffentliche Anbindung an die Wanderpfade der Sächsische Schweiz. Neben einer herrlichen Wandertour vom Tal-Ort Bad Schandau zum Hinteren Raubschloß, verbrachte ich eine schöne Zeit bei Beatrix zuhause. Sie bereitet mir nicht nur den ersten Geschmack auf ein Leben mit vitalstoffreicher Vollwertkost, sondern warf als Beilage für mich auch einen ersten Anker zum Thema Tiny House. Als wir uns über Themen rund um minimalistischeres Leben austauschten, kamen wir auch auf Tiny Houses. Sie hatte darüber von einer Ihrer Töchter gehört und zeigte mir ein Bild davon.

Lehmhaus oder Holzhaus?

Sogleich leitete ich dieses Foto an Marco weiter. Ich erinnere mich noch blass daran, dass es sich bei dem Haus auf dem Foto nicht um ein Tiny House im klassischen Sinne handelte. Kein Tiny House, so wie wir es verstehen, gebaut auf einem Anhänger/Trailer (Tiny House On Wheels – kurz: THOW), sondern ein äußerst kleines, fest installiertes Haus. Ich meine mich zu erinnern, dass es ein aus Lehm gebautes Haus war. Marco hält dagegen und erinnert sich an ein kleines Holzhaus. Sicher wissen wir bloß, dass wir es nicht mehr (so genau) wissen.

Bei Marco schürte das Foto sogleich Interesse. So durchsuchte er das Netz und stieß bei seiner Suche auf diese kleinen, süßen, vollwertigen Häuser, die man von A nach B ziehen kann. Zurück zu Hause zeigte er mir Bilder und so war unser Wunsch nach einem eigenen Haus geboren.

Messi-Syndrom & Ungeduld - Zeit für einen Wandel

Die Geburtsstunde unseres Tiny Houses klingt zunächst vielversprechender, als es am Ende war. Für Marco hieß das für die nächsten zwei Jahre planen, konstruieren, recherchieren. Für mich hieß das meine Ungeduld zu zügeln und mich stärker mit meinem leicht ausgeprägten Messie-Syndrom zu beschäftigen. In zwei Jahren lernte ich nach und nach auch mal etwas wegzuschmeißen. Übrigens weiß ich gar nicht woher ich das habe. Vielmehr denke ich oft, dass meine „geniale“ Unordnung nur Außenstehende besonders wahnsinnig macht. ? Der Weg zu einem Tiny House schafft jedenfalls Ordnung. Anfänglich vermutlich vor allem Geistige.

Rückblickend ist in dieser Zeit unglaublich viel passiert. Schnell änderten sich meine Einstellungen zum Konsum, den Themen Besitz und Ernährung, um nur einige zu nennen. Ich fand mich häufiger in einem anderen sozialen Umfeld, mit Menschen, die achtsamer, wacher und präsenter durch diese Welt zu gehen schienen.

Mein stark ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein zeigte sich vor allem in einer finanziellen Sicherheit. Seit September 2018 wurde ich plötzlich risikofreudiger. Ich kündigte meinen Job und fing an die Tiny House Tour UG voranzutreiben.

Ich lasse nur noch meine innere Uhr bestimmen

Mein Arbeitsumfeld hat sich geändert. Mein Tagesablauf auch. Ich habe mehr und mehr das Gefühl nicht mehr „mitschwimmen“ zu müssen, im Strom der Gleichmacherei, bei dem die Arbeitgeber in der globalen Welt nach wie vor noch zu wenig flexibel sind. Bei dem aufdiktierte Arbeitszeiten und ein oft strikter Zeit- und Wochenplan vorschreiben, wann man kreativ sein sollte und wie die innere individuelle Uhr zu manipulieren sei.

Bin ich jetzt mittags müde, dann spricht für mich nichts gegen einen Mittagsschlaf. Habe ich das Bedürfnis Mitten in der Woche eine Rad- oder Wandertour zu machen – warum nicht? Arbeite ich dann mal bis 02:00 Uhr nachts und schlafe dafür morgens so richtig aus, so tut das keinem weh. Im Gegenteil: All diese Änderungen helfen, um sich bewusst zu machen in welchem Zustand sich die meisten Menschen befinden.

Diesen würde ich fast als Ekstase beschreiben. Diesen Rauschzustand lehne ich für mich ab und habe beschlossen, dass ich im Hier und Jetzt sein möchte und dass ich all diese großen und kleinen Geschenke, die mir das Leben auf diesen Weg tagtäglich bereitet, mit euch allen teilen möchte.

Reiselust und Flexibilität vereint

Nebenbei bemerkt eint uns beide der Spaß und die Freude, an dem was wir tun. Unsere Medizin ist das gemeinsame Lachen. Das tun wir manchmal über die sinnlosesten Dinge. Aber wer hat schon gesagt, das hinter allem, was wir tun, ein Sinn stecken muss?

Neben allen Veränderungen gibt es für mich aber doch einige Dinge, die geblieben sind. Darunter meine Lust andere Länder zu erkunden und in andere Kulturen einzutauchen. Dabei muss alles so flexibel wie möglich ablaufen. Wenn Marco gefragt wird, wieso gerade ich die richtige für ein Leben in einem Tiny House bin, dann würde er das wohl so erklären

„Immer wenn wir von einer Reise nach Hause kamen, so schön, abenteuerlustig und außergewöhnlich diese auch gewesen war, so freute sich Jenny besonders darauf wieder in ihrem eigenen Bett zu schlafen. Das ist für sie das vertraute Stück Heimat, da fühlt sie sich wohl und kann ihre Akkus wieder aufladen. Bald kann Sie jetzt nicht nur jeden Tag im eigenen Bett einschlafen und aufwachen, sondern sogar im eigenen Haus. Wahnsinn oder?"

Je länger und intensiver ich also über all diese Umstände nachdachte, desto mehr ebnete sich mein Weg zu Reduktion, Verkleinerung und dem Ablegen mancher Gewohnheiten.

Der richtige Zeitpunkt ist genau jetzt

Denn, fängt der Mensch an, über sich selbst, das Leben und den tiefer Sinn seines individuellen Weges nachzudenken, so mein Eindruck, dann kann es passieren, dass er schnell merken wird, welches Verhalten seines bisherigen Lebens unter Umständen weniger gut für verschiedene Ebenen seines fortführenden Lebensweges war. Für die Gegenwart und Zukunft würde das die komplette Umstellung dagewesener Gewohnheiten für ihn bedeuten. Die Kosten hierfür können zumeist in Zeiteinheiten berechnet werden. Diese Investition ist vielen Menschen (leider) zu hoch.

Ich habe aber angefangen zu investieren und lebe bewusster.

Unser Abenteuer fängt nun gerade erst an …

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