Wir wollen unsere Tiny House Fenster bestellen – Ein Auftrag mit Hindernissen

20. November 2021Marco Schaller

Im letzten Beitrag hatten wir unser Tiny House gewogen und wussten jetzt über das tatsächliche Gewicht Bescheid. Und weil wir mit dem Rohbau nur minimal vom errechneten Gewicht abwichen, konnte wieder etwas „Speck auf die Hüfte“. Also genau der richtige Moment, um die Tiny House Fenster zu bestellen.

Doch wenn man sich auf dem Fenstermarkt umschaut, ist man aufgrund des Angebots schnell erschlagen. Die Auswahl fällt einfach zu schwer. Also gingen wir an die Entscheidung mit der größtmöglichen Sachlichkeit heran.

Welche Fenster sollen es sein?

Wir wollten nach außen zu öffnende Fenster (ganz nach nordischem Vorbild), denn diese nehmen beim Öffnen keinen Platz im Tiny House weg. Zudem werden sie bei starkem Wind stärker in den Rahmen gepresst und isolieren damit deutlich besser.

Das Material sollte so natürlich wie möglich sein, daher fiel die Entscheidung auf Holz. Als Farbe wählten wir weiß und um den traditionellen Charakter noch etwas zu unterstützen, entschieden wir uns für Sprossen – allerdings im Scheibenzwischenraum. Die Fenster sind somit einfacher zu putzen und wenn man eine Aufgabe schon ungern erledigt, dann sollte diese zumindest schnell und störungsfrei abzuarbeiten sein.

Ein besonderer Wunsch kam aber auch noch von unserem TÜV-Prüfer, der uns nach Fertigstellung des Bauprojektes die Wohnwagenzulassung ausstellen soll: Die Glasscheiben müssen einen Stempel für die Bauartgenehmigung (also der Teilnahme am Straßenverkehr) besitzen. Diesen findet man auch auf Scheiben von Personen- oder Lastkraftwagen. Entscheidend ist die Buchstaben-Nummern-Kombination "43R" oder „R43“.

So soll es aussehen

Stempel nach StVZO

Tiny House Fenster bestellen - aber bei welchem Hersteller?

Nachdem wir also genau wussten, was wir wollten, suchten wir einen Hersteller, der die Fenster nach unseren Vorgaben liefern konnte. Und da merkten wir auf einmal, wie dünn die Luft werden kann. Unsere Anfrage an verschiedene Hersteller starteten wir in Leipzig, also unweit unserer Standplatzes für das Bauprojekt. Wir müssen (und wollen) die Fenster ja nicht aus Kanada importieren, wenn diese Modelle in Leipzig vielleicht direkt um die Ecke produziert werden.

Doch wir wurden regional leider nicht fündig. Fast alle Hersteller winkten bei „nach außen zu öffnenden Flügeln“ ab. Und die verbleibenden Produzenten konnten kein Glas mit dem benötigten Stempel liefern. Also schauten wir überregional.

Jetzt fanden wir zwar ein paar wenige Lieferanten, die unsere Wünsche erfüllen konnten, aber (gefühlt) nicht wirklich an unserem Auftrag interessiert waren. Wir bekamen nicht nur halbseidige Antworten auf unsere Anfragen und völlig überzogene Preise genannt, sondern als Krönung noch die Umberatung auf völlig andere Fenster – aber diese zumindest kostenlos.

Also schauten wir uns international nach einem geeigneten Lieferanten um. Und kurz hinter der Grenze zu Dänemark wurden wir endlich fündig. Denn dort sitzt der Fenster-Hersteller Vrøgum, und bei diesem sollten wir später unsere Tiny House Fenster bestellen.


Alle Anforderungen erfüllt?

Schon beim ersten Kontakt spürten wir das Interesse für unsere Idee und das uns nichts ausgeredet werden wollte. Der Fokus von Vrøgum liegt auf „nach außen zu öffnenden Holz-Fenstern“ und sogar das von uns gewünschte Sicherheitsglas mit Stempel kann verbaut werden. Na endlich!

Die einzige Hürde auf unserer Seite war die fehlende Musterkontrolle. Wir hätten uns gerne vor der finalen Bestellung verschiedene Modelle angeschaut, um zu sehen, ob sie uns überhaupt gefallen. Konstruktionszeichnungen können zwar die Maße und den Aufbau transportieren, aber leider nur ansatzweise die Optik und die damit verbundene Wirkung der Fenster.

Aber selbst dafür hatte Vrøgum eine Lösung. Es gibt in Deutschland mehrere Vertriebspartner, die die Fenster vertreiben und quasi als Ansprechpartner vor Ort fungieren. Optimal für Menschen, die der dänischen Sprache nicht mächtig sind – so wie uns!

Also kontaktierten wir einen dieser Vertriebspartner und hatten auf Anhieb Glück. Unser Kontakt hatte gleich mehrere Fenster vor Ort. Wir konnten uns also leicht ein Bild von den verschiedenen Größen, Farben, Formen und Details (wie z.B. Fenstersprossen und Fenstergriffen) machen. Und da man so eine Auswahl wahrhaftig erleben muss, setzte ich mich an einem kühlen Mittwochmorgen in den allerersten Zug, der von Leipzig Richtung Flensburg abfuhr.

Viel zu früh geht es los

Internet? Ähm... nö!

Mit den Fenstern auf Du und Du

Nach sechs Stunden Fahrt erreichte ich erleichtert meinen Zielort, musste mich aber trotzdem gleich wieder sputen. Mir blieben nur knapp anderthalb Stunden, um die Fenster zu begutachten, wichtige Fragen zu stellen, Details zu klären und die letzte Verbindung zurück nach Flensburg zu erwischen, denn der Bus fuhr nur alle zwei Stunden. Na dann aber los!

Peter Johannsen begrüßte mich und nach einem kurzen Plausch ging es direkt an sein Außenlager. Gewissenhaft erklärte er mir die Unterschiede zwischen den verschiedenen Öffnungsmöglichkeiten, den Griffen und weiteren Optionen wie außen- oder innenliegenden Sprossen. Und nach kurzer Zeit hatte ich mir ein komplettes Bild über die möglichen Optionen gemacht und mir diese entsprechend notiert. Wir waren also in der Lage eine fundierte Entscheidung zu treffen und die Tiny House Fenster zu bestellen. Jetzt musste ich nur noch meinen Bus erwischen.

Wir verabschiedeten uns und ich rannte die letzten Meter zu Bushaltestelle. War ich zu spät? Kein Bus war weit und breit zu sehen. Ein Blick auf den Fahrplan zeigte mir, dass ich ihn wohl nur um eine Minute verpasst hatte. Konnte das sein? Ein Blick in die andere Richtung sorgte für Erleichterung, da kam er gerade angefahren. Ich hatte mich schon lange nicht mehr so sehr über eine Verspätung im öffentlichen Personenbeförderungsverkehr gefreut.


Die Entscheidung fällt beim Kaffee

In Flensburg angekommen, hatte ich noch etwas mehr als eine Stunde bis zur Abfahrt meines Zuges zu überbrücken und suchte mir einen gemütlichen Platz in einem Café. Ich klappte den Laptop auf und machte mich gleich an die Pro-/Contra-Liste für das richtige Fenster-Layout unseres Tiny Houses. Beim zweiten Cappuccino stand die Auswahl fest.

Die Fenster sollen komplett aus Holz und weiß lackiert sein. Als Öffnungsart kommen nur Flügel- und Klappfenster in Frage. Jedes Fenster mit mehr als einem Flügel, bekommt eine Mittelstrebe, um die Stabilität zu erhöhen. Einzig unser späteres Verkaufsfenster bekommt einen der zwei Mittelstreben durch einen Stulp ersetzt (somit ist die Fensteröffnung später größer, was die Ausgabe von Kaffee und anderen Leckereien durchaus erleichtert). An den Fenstern selbst sollen keine Windhaken montiert, sondern richtige Griffe befestigt werden. Und als besonderes Highlight bekommen alle Fenster innenliegende Sprossen verpasst.

Jetzt können wir die Tiny House Fenster bestellen

Zurück in Leipzig schwärmte ich Jenny erst einmal ausgiebig von den Fenstern vor und zeigte auch gleich die Fotos, die ich beim Besuch geknipst hatte. Nach einer ausführlichen Darstellung, wie ich mir unsere (Wunsch-)Fenster vorstelle, war auch Jenny überzeugt. Die Fensterbestellung konnte ausgelöst werden. Dafür war es jedoch auch notwendig, die Maße eines jeden Fensterns ordnungsgemäß zu erfassen. Anschließend schickte ich die Bestellliste zu unserem Ansprechpartner.

Jetzt begann der E-Mail-Marathon. Einmal mussten Maße korrigiert werden, ein anderes Mal warfen wir einen Teil der Öffnungsvarianten über den Haufen und entschieden uns für eine andere Option und darüber hinaus verwechselten beide Seiten auch schon mal die Bestellliste und korrigierten einen alten Entwurf. Es war zum Haareraufen!

Doch irgendwann ist auch der längste Marathon gelaufen und so kam auch unsere Fensterbestellung endlich an den Punkt, an dem ich die Bestellung auslösen durfte/musste. Ein mulmiges Gefühl durchschlich meinen Magen – man bestellt ja auch nicht jeden Tag vierzehn Fenster und eine Haustür im Wert von etwas mehr als 12.000€.

Ein Klick und die letzte Email ging auf Reisen – unsere Fenster waren bestellt!

Wir sind dann mal weg

Nachdem wir jetzt mehrere Monate auf das Auslösen der Bestellung hingearbeitet haben, konnte uns die Nachricht, dass die Fensterlieferung sechs statt der üblichen vier Wochen dauern sollte, auch nicht mehr aus der Ruhe bringen. Zudem starteten wir zu diesem Zeitpunkt in einen vierwöchigen Australien-Urlaub und kamen mit den Gedanken endlich auch einmal von dem Thema Tiny House weg. Also alles ganz entspannt.

Die Anspannung stieg erst wieder, als der Liefertermin näher rückte. Und ganz turbulent wurde es, als die Fensterlieferung von uns kontrolliert wurde. Denn was wir da gefunden haben, stellte den kompletten Zeitplan auf den Kopf. Davon berichten wir aber im nächsten Beitrag.

Bis dahin

Marco & Jenny


Bildnachweise

Alle Bilder: Tiny House Tour

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