Wie wir unser Tiny House wiegen lassen

21. Januar 2021Marco Schaller

Kaum hat unser mobiles Häuschen die letzte Fahrt von Brockau (im Vogtland) nach Leipzig wohlbehalten überstanden, geht es schon wieder auf die Straße. Denn heute wollen wir unser Tiny House wiegen lassen. Warum das nötig ist und wie wir das Gewicht ermittelt haben, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Tiny House wiegen lassen - Die Bedeutung der Gewichtsermittlung

Wahrscheinlich ist das schon bekannt: Unser Tiny House darf maximal 3,5 Tonnen wiegen, damit wir uns damit auf öffentlichen Straßen bewegen dürfen. Zumindest, wenn man nicht unbedingt den LKW-Führerschein erwerben möchte. Und davon sehen wir bisher doch lieber ab. Damit wir das Gewicht einhalten können, haben wir, während unserer Planung mit SketchUp, jedes Element am Haus in einer selbstrechnenden Excel-Liste eingefügt. Und natürlich gibt uns diese für den Rohbau auch einen Wert aus. Nämlich genau 1.370 Kilogramm (= 1.37 Tonnen).

Doch muss dieser Wert nicht zwingend stimmen. Einige der in unserer Excel-Tabelle eingetragenen Gewichte sind nur theoretische Werte und lassen sich von der Umwelt beeinflussen. Darunter fällt zum Beispiel die Restfeuchte im Holz, welche für die exakte Gewichtsangabe bei fünfzehn Prozent liegen soll. Enthalten unsere Balken also mehr Feuchtigkeit, ist das Haus entsprechend schwerer. Weiterhin enthält unsere Liste auch nicht jedes Kleinteil, dass am Tiny House verbaut wurde. Ich spreche hier von all den Schrauben, die unseren Bau zusammenhalten. Jede Einzelne wiegt zwar nur ein paar Gramm, aber in Summe kommen da auch schnell ein paar Kilogramm zusammen.

Die einfachste Lösung, um Gewissheit über das reelle Gewicht zu haben, ist, das Tiny House einfach auf eine Waage zu fahren. So wissen wir ganz genau, wieviel unser Rohbau wiegt und ob wir mit unserer Berechnung (zumindest noch halbwegs) übereinstimmen. Jedoch müssen wir solch eine Waage zunächst erst einmal finden.


Eine Wiegestation finden

Zum Glück sind solche Wiegestationen, zumindest in Leipzig, gut zu finden. Es gibt öffentliche LKW-Waagen oder ebensolche auf dem Gelände privater Recyclingfirmen oder Speditionsunternehmen. Diese Waagen sind große in den Boden eingelassene Betonflächen, die das Gewicht bis auf 10kg genau ermitteln. Für unsere Zwecke also ausreichend.

Nach einigen Telefonaten hatten wir dann auch ein Unternehmen gefunden, welches es erlaubte, ein Tiny House wiegen zu lassen. Und wie schon so oft, half uns mein Vater mit seinem Pickup aus, das Häuschen durch Leipzig zu bewegen. Da er nur am Wochenende konnte und die Station andererseits nur bis Samstagmittag geöffnet war, fiel unser Vorhaben also auf einen Samstagmorgen.

Tiny House wiegen lassen - Die Fahrt zur Station

Meinen Vater hatten wir bereits auf acht Uhr bestellt, denn wie sooft musste der ganze Vorgang natürlich per Video für unseren YouTube-Kanal festgehalten werden. Doch auch wenn wir mittlerweile im Dreh geübter werden, die Szenen schon im Kopf feststanden und wir alle Vorbereitungen getroffen hatten, ist ein Videodreh immer noch ein Zeitfresser. Ganze zwei Stunden später war es dann soweit: das Material war im Kasten und das Tiny House setzte sich endlich in Bewegung. Zuerst mussten wir uns wieder mit dem Monstrum am Heck bekannt machen. Die Beschleunigung ist dahin, die Kurven sind anders zu fahren und ein Blick in den Rückspiegel erinnert eher an die Holzabteilung eines Baumarktes anstatt Klarheit zu bringen.

So tasteten wir uns also langsam zur Hauptstraße durch und wurden mit jedem Meter sicherer – was unter anderem auch mit der zunehmenden Straßenbreite zu tun hatte. So ein Gespann fährt sich auf einer Bundesstraße deutlich einfacher als auf kleinen Seitenstraßen. In weißer Voraussicht hatten wir eine Station herausgesucht, die in geringer Entfernung zu unserem Stellplatz liegt. Somit hatten wir nach nur wenigen Kilometer unser Ziel bereits erreicht und bogen auf das Gelände ein.

Es darf gestaunt werden

Am Ziel unserer Reise angekommen, parkten wir das Gespann und gingen daran mit den Mitarbeitern zu reden. Und die machten natürlich erst einmal große Augen. Es mag sein, dass der Begriff „Tiny House“ mittlerweile fast jedem zweiten Menschen in Deutschland bekannt ist, aber wenn so ein Teil vorfährt, dann wird erst einmal gestaunt. Und wenn es, wie in unserem Fall, nur der Rohbau ist und damit noch abenteuerlicher ausschaut, dann bleibt auch mal der Mund offenstehen.

Nachdem wir uns, das Haus und Tiny House Tour kurz vorgestellt und unseren Wunsch, das Tiny House wiegen zu lassen, vorgetragen hatten, durften wir uns auch schon in die Schlange der anderen Fahrzeuge einreihen. Mittlerweile war es kurz nach elf Uhr und so waren nur noch zwei kleine PKW vor uns.

Und dann konnten wir endlich auf die Waage fahren und das Tiny House wiegen lassen. Zuerst befuhren wir die Plattform mit dem kompletten Gespann, koppelten den Pickup vom Haus ab und fuhren mit diesem von der Plattform herunter. Da das Haus jetzt alleine auf der Waage stand, konnte die Messung durchgeführt werden.

Ein riesiger Aufwand für eine schnelle Berechnung

Und das dauerte nicht einmal lange. Ein Knopfdruck und das Ergebnis war da. Es war zwar gut, dass es so schnell ging, aber irgendwie war ich auch enttäuscht. Das lag vermutlich daran, dass ich mir mehr vorgestellt hatte, z.B.:

  • Fanfaren, die das korrekte Abstellen des Tiny Houses bestätigen.
  • Trommelwirbel, die die Messung ankündigen.
  • Silvester-Raketen und Konfetti-Kanonen, die die Präsentation des Ergebnisses begleiten.

Aber die Ermittlung dauerte gerade einmal eine Sekunde und wurde kurz darauf in einem kleinen Display im Fenster der Wiegestation angezeigt. Und da stand in leuchtenden LED-Zahlen:

Jetzt wussten wir also wie schwer das Holzgerüst mit Anhänger war. Aber würde das reichen, um unser Maximalgewicht von 3,5 Tonnen einhalten zu können? Diese Frage brannte wohl auch meinem Vater und besonders Jenny auf den Lippen. Beide fixierten mich mit fragenden Blicken, als ich den Wert von der Anzeige ablas.

Gewicht ist nicht gleich Gewicht

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung (mehr) hatte, wie schwer unser Tiny House nach meinen digitalen Berechnungen in dieser Bauphase sein durfte. Ich hatte das irgendwo in unserer Excel-Liste stehen und daher aus meinen Gehirnwindungen gelöscht. Außerdem war der angezeigte Wert keinesfalls final, da wir aus dem Tiny House noch die diagonalen Aussteifungen ausbauen mussten, welche Jan vor unserer Fahrt nach Leipzig eingebaut hatte. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist und wir wollten einen exakten Wert ausweisen können.

Also hingen wir das Tiny House wieder an den Pickup, verließen das Gelände und bogen in die falsche Richtung ab. Am Ende der Straße war die Durchfahrtsbreite auf 2,2 Meter begrenzt und auf uns wartete die Erkenntnis, dass man mit dem Haus am Haken erst die Straßenkarte liest und danach losfährt. Was machten wir also?


Wenn man selbst zum Verkehrshindernis wird

Da wir keinerlei Einbuchtungen oder Querstraßen fanden, um eine klassische Dreipunktwende durchzuführen, mussten wir umdisponieren. Wir warteten einen Augenblick bis die Straße komplett frei war und schoben den Anhänger in einer Kurvenbewegung rückwärts bis dieser 90° versetzt zur Straße stand. Dabei belegten wir den kompletten Fußweg und standen mit dem Gespann fast bis zur anderen Seite der Straße. Die ersten Fahrzeuge hatten sich an unserer Rangierstelle bereits gesammelt und verfolgten gespannt unser Manöver.

Jetzt koppelten wir schnell den Anhänger ab, damit der Pickup die verbliebene Fahrbahn freimachen konnte. Wir winkten die einzelnen Fahrzeuge durch bis sich der Stau gelöst hatte und gingen an den zweiten Teil. Mein Vater setzte den Pickup jetzt von der anderen Seite an, wir hingen das Tiny House an den Haken und das Gespann setzte sich in Bewegung – diesmal in die korrekte Richtung.

Die Blicke sind unbezahlbar

Den restlichen Weg zur Halle fielen uns wieder die vielen Menschen auf, die unseren RoadTrip begeistert vom Straßenrand verfolgten. Wie schon auf der ersten Fahrt nach Leipzig, sahen wir viele offene Münder, Menschen blieben stehen, zeigten auf unser Haus und fotografierten sogar teilweise.

Es passiert einem auch nicht jeden Tag, dass ein Tiny House durch die Straßen fährt. Da verzeiht man als nachfolgender Autofahrer schon gerne mal das vorsichtige und langsamere Fahren im Verkehr. Ich bin gespannt, ob dieser Bonus auch wirkt, wenn wir in europäischen Großstädten das Verkehrsnetz lahmlegen.

Kurz nach dem Mittag kamen wir wieder an der Halle an und freuten uns über die unkomplizierte Erledigung unserer Aufgabe. Jetzt mussten wir quasi nur noch die diagonalen Aussteifungen aus dem Haus entfernen, deren Gewicht ermitteln und vom Gesamtgewicht abziehen. Vor dem Entfernen der Hölzer, müssten wir zudem noch das Haus umparken. Das haben wir an dem Tag aber nicht mehr gemacht, sondern haben meinen Vater lieber noch auf einen leckeren Kaffee bei Tom in der Analog Café Bar eingeladen.

Wie viel wiegt der Rohbau denn jetzt?

Um den Spannungsbogen jetzt aber nicht ins Unendliche zu dehnen, wollen wir euch bereits heute einen kleinen Ausblick in die kommenden Bauphasen geben und Euch das aktuelle finale Gewicht nach Abzug der Querbalken mitteilen.

Nachdem wir das Haus umgeparkt hatten, entfernten wie die oben angesprochenen Hölzer und ermittelten ein Gewicht von 39 Kilogramm. Diese werden von dem auf der Waage gemessenen Gewicht von 1470 Kilogramm abgezogen und das ergibt einen finalen Wert von 1431 Kilogramm.

Wir hatten mit unserer Excel-Liste in der Planungsphase 1.370 Kilogramm ausgerechnet. Somit liegen wir also „nur“ 61 Kilogramm über dem errechneten Wert. Diese Differenz kommt größtenteils durch die Schrauben und Winkel zustande, welche wir in der Kalkulation nicht berücksichtigt hatten. Andere Dinge, wie der Holzleim, können aufgrund der geringen Masse nahezu vernachlässigt werden.


War da nicht noch etwas?

Wir hatten ja gerade angesprochen, dass wir das Tiny House vor den nächsten Bauabschnitten umparken müssen. Was es damit auf sich hat, klären wir im übernächsten Beitrag.

Im kommenden Beitrag berichten wir allerdings erst von unserer Fensterlieferung und warum diese unglaublich schiefgelaufen ist!

Bis dahin

Marco & Jenny

Alle Bilder: Tiny House Tour

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