Unser Weg zum eigenen Tiny House

2. Januar 2019Marco Schaller

Wie alles begann... auf dem Weg zum eigenen Tiny House

Vor etwas mehr als zwei Jahren spielte mir Jenny das Bild eines niedlichen, kompakten Holzhauses zu. Damals wusste ich weder etwas von den kleinen Mini-Häuschen, noch dachte ich bereits an ein eigenes Tiny House. Bei dem Haus auf dem Bild handelte es sich um eine richtige Immobilie, auch wenn diese auf einer Wohnfläche von ca. 60m² genug Wohnraum für eine 4-köpfige Familie vereinte. Im Kopf blieb mir dieses Häusle, nicht nur wegen des Charmes, dass in den meisten Fällen von einem Holzhaus ausgeht, sondern vielmehr wegen den einfachen Lösungen, die es vereint. Diese sind raumsparend und überaus sinnvoll angeordnet und erlauben einen anderen Blick auf Definition und Nutzung des verfügbaren Platzes. Folgende Beispiele fallen mir rückwirkend dazu ein:

Die Barhocker des Essbereichs ragen bei Gebrauch zwar in die Freifläche des Wohnbereiches, verschwinden dank Klappmechanismus bei Nichtbenutzung jedoch unter der Kücheninsel. Freie Wege durch den Raum sind damit ebenso gewährleistet, wie zahlreiche Sitzmöglichkeiten für zu erwartenden Besuch.

Oder der Bürostuhl am Schreibtisch, der zwar bei Benutzung den Weg in das Schlafzimmer versperrt, doch gleichzeitig logisch positioniert ist. Schließlich geht man in einer funktionierenden Beziehung (meistens) zur gleichen Zeit zu Bett (stark voneinander abweichende Arbeitszeiten einmal außen vor gelassen).

Als ich mir Fotos des Häuschens aus den verschiedensten Perspektiven anschaute, war ich erstaunt darüber, was man auf 60 m² unterbringen kann, ohne dass es überladen oder erdrückend wirkte. In dieser kleinen Behausung konnten vier dauerhafte Bewohner leben sowie ein Esstisch für bis zu zwölf Personen für Feiern im Kreise der Familie oder Spieleabende mit Freunden Platz finden. Wahnsinn, dachte ich mir! Es wuchs die Erkenntnis, dass sich kleiner Wohnraum groß anfühlen könnte, wenn man verschwendeten Platz sinnvoll nutzen und multifunktionale Lösungen z.B. für die Möbel integriert.

Manchmal hilft der Zufall

Im Laufe der nächsten Monate ging ich nun mit offenen Augen durch meine Wohnung. Nach und nach entdeckte ich allerorts ungenutzten Platz, welcher sich durch clevere Planung hätte vermeiden lassen. Ein Bleistift, ein Skizzenblock plus etwas Kreativität und ich würde meine eigene platzsparende Einrichtung entwerfen.

Aber warum muss man das Rad neu erfinden?
Welches platzsparende Mobiliar gibt es eigentlich schon?
Wie lassen sich Möbel kreativ miteinander verbinden?

Glücklichweise kann man sich heutzutage Anregungen aus aller Welt holen und diese an seinen eigenen Lebensstil adaptieren. Also begab ich mich auf die Bilder- und Videosuche ins Internet. Während ich also am Laptop saß und mich durch einen schier endlosen Wust aus Bildern funktioneller Möbel, durchdachter Raumnutzungsideen und Planungsskizzen wühlte, wollte ich das eingangs angesprochene Holzhaus noch einmal zum Vergleich heranziehen und die Bilder auf mich wirken lassen. Doch meine Nachlässigkeit war mir bei der Suche leider nicht behilflich.
Die Suche nach “Holzhaus” gab Millionen von Treffern aus und auch der Begriff “kleines Holzhaus” grenzte die Ergebnisse nicht sonderlich ein. Falls die ursprüngliche Webseite nicht suchmaschinenoptimiert war, könnte es auch sein, dass sie erst unter den Suchergebnissen auf Seite 999 auftauchen würde.

Um es kurz zu machen: Ich habe die Seite und das Holzhaus leider nie wieder gefunden. Allerdings stolperte ich bei meiner Suche über viele Bilder kleiner Holzhäuser mit Rädern.

Ein Holzhaus auf Rädern?

Eigenes Tiny House
Eigenes Tiny House
Eigenes Tiny House

Das Tiny House auf Rädern - eine neue Art des Wohnens?

Sieht man von kleinen Bretterbuden auf einem Weihnachtsmarkt ab, so habe ich noch nie ein Holzhaus auf einem Anhänger gesehen.
Nicht in dieser Größe und in solch einem Design. Keine Glühweinschenke oder eine Knobibrot-Hütte, sondern ein Haus zum Wohnen.
An diesem Tag kam ich also zum ersten Mal in den Kontakt mit dem Objekt, dass mich sofort begeisterte und die kommenden Jahre beschäftigen sollte: einem TINY HOUSE.

Die kommenden Wochen war unglaublich intensiv, gab es doch viele unterschiedliche Tiny Houses zu entdecken. Einige Personen (meist aus Nordamerika) hatten auch schon Youtube-Videos erstellt und so konnte ich mir ein (ungefähres) Bild davon machen, wie sich ein Tiny House anfühlen musste. Jenny war ohnehin schon begeistert und teilte meinen Enthusiasmus. Nach unzähligen Videos, Bildern und Beiträgen und Gedanken stand fest:

Eigenes Tiny House? Warum wir uns für ein Minihaus entschieden haben

Wie im Artikel Nachhaltigkeit ausgeführt, lege ich seit meiner Jugend bei Neuanschaffungen - gleich welcher Art - viel Wert auf eine konkrete und bewusste Entscheidung. Einerseits spart es unglaublich viel Geld, nicht jeder Mode und jedem Trend hinterher zu rennen. Und mittlerweile finde ich es auch sehr verwerflich etwas zu kaufen, um damit ein paar Monate später einen Müllsack zu füllen. Daher habe ich mir die einfache Regel aufgestellt, bei allen geplanten Käufen mindestens ein bis drei Monate zu warten - je nach Anschaffungswert auch länger. Erstaunlicherweise nimmt das die Euphorie aus dem ganzen Prozess und lässt einen rational über ein neues Produkt nachdenken. Vom Thema “Tiny House” haben wir uns sogar ein ganzes Jahr Abstand verordnet, um im Anschluss mit einer Pro/Contra-Liste eine sachliche Entscheidung zu treffen.

Nach drei Monaten Ruhepause und Distanz wurden wir jedoch wieder in den Sog gezogen. Anstatt die Zeit bis zur geplanten Gegenüberstellung eines Für und Wider mit Warten zu vergeuden, beschloss ich, mich mit dem Thema “Leben im Tiny House” auseinanderzusetzen. Oftmals kann man ja schon durch nähere Betrachtung einer Thematik eine Schlussstrich unter die Idee setzen.

Die Nachforschungen beginnen

Trotz der mangelnden ganzheitlichen Informationen ließ ich nicht locker und analysierte viele Häuser bis ins Detail. Schnell stand fest, dass die Hochglanzbilder von Tiny Houses aus den USA nur in einigen Punkten als Vorlage dienen konnten, da diese teils zu groß und zu schwer für deutsche und europäische Verhältnisse waren. Von dem unnötigen Luxus einer Steinarbeitsplatte in der Küche oder Klimaanlage ganz zu schweigen. Es handelte sich bei den amerikanischen Beispielen eher um verkleinerte Versionen eines großen Einfamilienhauses auf einem Sattelschlepper. Diese "Monster" sind für den hiesigen Straßenverkehr, meiner Meinung nach, nicht umsetzbar. Und so begann ich, das Internet nach sämtlichen Informationen zu durchforsten, die sich boten - teilweise driftete die Suche sogar in Foren des Bau- oder Automobilsektors ab.

Mittlerweile hat sich mit verschiedenen Facebook-Gruppen z.B. Tiny House Deutschland, einem empfehlenswerten Tiny House Forum oder sogar einigen Youtube-Videos einiges in dem Bereich getan, sodass auch Neulinge sich schnell in dieses Thema einlesen können. Nach unzähligen Recherchen und Planungen stand lange vor der abschließenden Pro/Contra-Liste die Entscheidung zum Tiny House fest. Die Contra-Punkte waren dementsprechend überschaubar: “Viel Arbeit & viel Gegenwind”.

Die mehr oder weniger rationale Entscheidung war also getroffen, jetzt musste nur noch der Startschuss her. Ein einfacher Satz, der bei Träumereien und großen Plänen oftmals hilft:

Mach es... oder hör auf darüber zu reden!

Der Start war jedoch mehr als holprig, da ich kein erfahrener Handwerker war. Im Freundeskreis fachsimpelte man oft über Themen des Baus, doch mein Interesse an solchen Informationen tendierte gegen Null - das rächte sich zu Planungsbeginn unseres Tiny Houses, denn mir fehlte nicht nur das Wissen, sondern auch die Erfahrung aus fast allen Bereichen des Baus. Mit den Möbeln und der Technik im Inneren würde ich noch klarkommen, aber auf dem Weg dahin war erst einmal das Grundgerüst aufzustellen. Die folgenden Monate verbrachte ich also damit mich in alle notwendigen Details einzulesen und diese auch zu verstehen:

Hinterlüftung der Wände, Dachblech mit Antitropfvlies, diffusionsoffener Bau, Solarmodule, Wasserrecycling, Baugenehmigung auf Länderebene, Zulassung, Zugfahrzeuge, Elektrik und viele weitere Sachen standen auf der Tagesordnung. Wie in der Aufzählung der Begriffe stolperte ich auch in der Suche nach Informationen von einem Punkt zum nächsten, ließ keinen Fallstrick aus und zog das Projekt merklich ungewollt in die Länge. Eine genaue Planung musste her, eine Roadmap, mit offenen Punkten und einer Themenübersicht.
Oder noch besser: Eine Checkliste, welche man Punkt für Punkt abarbeiten kann und am Ende sein eigenes Tiny House geplant hat.

Hier findet ihr diese Checkliste zur Planung eures Tiny Houses.

Sie beinhaltet die 10 wichtigsten Punkte, welche sich aus den letzten Jahren der Planung ergeben haben und bei der Wahl des richtigen Tiny Houses stets eine gute Orientierung boten.

Viel Erfolg bei der Planung eures Tiny House oder einfach viel Spaß beim Schmökern!

Marco & Jenny

Viel Erfolg bei der Planung eures Tiny House oder einfach viel Spaß beim Schmökern!

Marco & Jenny


Bildnachweis

  1. Titelbild (Holzhütte mit Baum und Straße): www.pixabay.com
  2. Tiny House mit Traktor: www.nelsontinyhouses.com
  3. 2 Tiny Houses (blau und braun): www.tiny-house-rheinau.de
  4. Einzelnes Tiny House: www.nelsontinyhouses.com

Ausrufezeichen: www.pixabay.com

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