Die Bodenplatte entsteht – Teil 1

25. Juli 2020Marco Schaller

Die letzten Vorbereitungen für den Anhänger wurden getroffen. Wir haben eine Antirutschmatte als Grundlage auf den Trailer aufgebracht, die direkten Kontakt zwischen Holz und Metall verhindern sowie die Haftung des Aufbaus erhöhen soll. Jetzt starten wir mit dem Rohbau und dieser beginnt an mit der Tiny House Bodenplatte.

Trotz der langen Planungsdauer von mehr als 2 Jahren, ist die Anspannung kurz vor dem ersten Auflegen der Holzbalken sehr hoch. Normalerweise können wir die Werte für die Holzkonstruktion der Tiny House Bodenplatte 1:1 aus unserer SketchUp-Planung entnehmen, aber da wir bereits bei einer Vormessung nach Überfahrt aus den Niederlanden eine kleine Abweichung festgestellt haben, wollen wir uns eben nicht so blind auf die Übereinstimmung von Skizze und Modell verlassen. Leider habe ich mir das damals nicht notiert, was sich jetzt in doppelter Arbeit rächt.

Also vermessen wir den Anhänger erst der Länge nach (erst die Fahrerseite, dann die Mitte, dann die Beifahrerseite), anschließend in der Breite (hinten, in der Mitte hinter und vor dem Radkasten, vorne). Die Plattform (7,20 m Länge x 2.44 m Breite) stimmt mit ihren Abmessungen 1:1 mit dem Modell überein , zumindest an den Rändern.

Holzauge, sei wachsam!

Innen stellen wir zwei unterschiedliche Werte fest: 2,42 m hinter dem Radkasten, aber 2,43 m vor dem Radkasten.

Die Abweichungen am Rande der Stahlkonstruktion beschränken sich auf das Ende der äußeren Stahlstrebe (zum Radkasten hin). Für die Auflage des Holzes spielt es an diesen Stellen (roter Kreis im unteren linken Bild) keine Rolle. Kritischer wäre es jedoch für die Bügelschrauben und somit für die Befestigung des Tiny House. Wenn diese zu weit nach innen gesetzt werden müssten, bliebe ihnen nach Bohrung zu wenig Holz. Die Messung ergibt jedoch die geplanten Werte von 2,44 m an der eigentlich kritischen Stelle (gelber Kreis). Glück gehabt!

Somit müssen wir unsere Konstruktionsplanung nicht abändern und können die Werte für Jan übertragen, sodass er sofort mit dem Abbund beginnen kann. Zudem müssen noch einige Balken für den Boden überplattet werden. Aber dazu mehr im nächsten Schritt.

Eine Holzart, aber verschiedene Stärken

Als Holzwerkstoff für das Grundgerüst verwenden wir heimisches Fichtenholz - dies ist die leichteste Variante um am Ende die magische Grenze von 3,5 t Gesamtgewicht einhalten zu können. Der Holzrahmen der Bodenplatte wird 80 mm dick/hoch, daher besitzen alle Konstruktionsvollhölzer (KVH) diesen Wert. Allerdings nutzen wir unterschiedliche Stärken (Breite) je nach Positionierung und Notwendigkeit. Zur Verdeutlichung findet ihr oben einen Auszug aus unserer Sketchup-Planung mit farblich unterschiedlich markierte Balken (nach Dimension).

  • 80 mm x 80 mm: Rahmenbalken (umlaufend, außen)
    => ROT
  • 80 mm x 60 mm: Querbalken (hinten, mitte, vorne)
    => GELB
  • 80 mm x 40 mm: Längsbalken (hinten, mitte, vorne)
    => WEISS
  • 80 mm x 40 mm: Innere Querbalken, welche verschraubt werden
    => GRÜN

Die 80mm breiten Balken am Rand der Tiny House Bodenplatte erfüllen auch gleich mehrere Funktionen. Zum einen liegen sie mit ca. 50% der eigenen Breite auf dem Stahlrahmen des Anhängers auf und leiten das Gewicht der ebenfalls 80 mm breiten Wände ideal nach unten ab. Des Weiteren versenken wir in genau diese Balken die Bügelschrauben, welche die gesamte Konstruktion am Anhänger halten werden – je mehr Holz die Schraube nach links und rechts dabei hat, desto besser (geringeres Risiko des Ausreißens). Zu guter Letzt nutzen wir den vorhandenen Überstand nach innen, um die Stempel (senkrechte Holzbalken) der Wände später von unten mittels langer Schrauben zusätzlich sichern zu können.


Fast schon eine Doktorarbeit

Da auf die inneren Quer- und Längsbalken weniger Lastmomente (Zug- und Druckkräfte) wirken, fallen diese geringer aus. Bei den Kreuzungen der inneren Quer- und Längsbalken greifen wir auf die Technik der Überplattung mit zusätzlicher Verschraubung zurück. Das innere Gerüst der Tiny House Bodenplatte ist damit robuster, gewährleistet eine höhere Stabilität für den äußeren Rahmen und benötigt weniger Schrauben. Als weitere Unterstützung verwenden wir bei allen Verbindungen auch etwas Holzleim.

An den Verbindungsstellen der einzelnen Segmente (innere Querbalken des vorderen und hinteren Elementes, sowie beide äußere Querbalken des mittleren Elementes) treffen zwei Balken mit je 40 mm aufeinander, die nach sechsfacher Verschraubung quasi ein KVH mit 80 mm Stärke bilden werden.

Die Fixierung des Rahmens

Da alle in diesem Bauabschnitt begangenen Fehler, sei es auch nur im Millimeter-Bereich, sich später massiv auf den weiteren Aufbau auswirken und sich zu Abweichungen auf mehrere Zentimeter (spätestens bei Bau des Dachs) addieren würden, müssen wir hierbei genauestens arbeiten. Der Ablauf für die einzelnen Segmente sieht dabei wie folgt aus:

  • Einmessen der Position
  • Balken mittels Schraubzwinge an gewünschter Position fixieren
  • Vermessen des gesamten Segmentes mit notwendiger Korrektur
  • Nächstes Segment / Abschließende Korrektur aller 3 Segmente untereinander

 

Naja, zumindest war das der Plan - aber wie so oft, kommt es anders als man denkt.

Fangen wir noch einmal von oben an

Wie schon des Öfteren erwähnt, wird unser Tiny House aus Holz gebaut. Dieser natürliche Rohstoff ist ein Geschenk der Natur, lässt sich wunderbar verarbeiten, ist seit Jahrtausenden erprobt, spendet Wärme und erzeugt ein Raumklima, das sich mit keinem anderen Werkstoff vergleichbar ist. Da der Rohstoff aber nicht industriell produziert wurde, sondern aus der Natur kommt, ergeben sich auch Probleme. Kein Holzbalken ist perfekt gerade und beim Verschrauben suchen sich die Schrauben immer die weichste Faser und produzieren daher oftmals Unebenheiten an den Verbindungsstellen.

So musste vor Verwendung jeder Balken auf seine eigene Biegung geprüft werden. Wir wählten vorhandene Krümmungen so, dass diese nach oben und außen zeigten. Der Druck des Aufbaus sorgt dann ganz automatisch für ein Zurückbiegen des KVH in die Horizontale. Die Krümmung nach außen wird durch die Verschraubung an die Querbalken korrigiert. Zudem werden alle Hölzer mittels Schraubzwinge mehrfach fixiert und schon einmal in die richtige Form gebracht. Das oben erwähnte Abdriften der Schrauben in weichere Holzfasern verhindern wir mit einem aufgelegten Holzbrett und einer weiteren Schraubzwinge.

Der Prozess des Positionierens, Vermessens, Fixierens, erneuter Messung und Korrigierens wird dutzende Male ausgeführt. Kaum ist man hinten fertig, fängt man vorne wieder an.
Zu sehr beeinflussen die natürlichen Eigenschaften des Materials unseren Plan mit der Bodenplatte. An dieser Stelle kann ich zum ersten Mal „richtig“ mit Freunden und Familie mitfühlen, die über ihr Leid auf der Baustelle des eigenen Häuschens klagen.

Wie frustrierend es sein kann, eine Arbeit gewissenhaft ausgeführt zu haben, sich am (Teil-)Ziel aber mit ganz anderen Ergebnissen konfrontiert zu sehen und wieder von vorne anfangen zu müssen, erfahre ich jetzt am eigenen Leib.

Schön wachsam bleiben!

Nach endlosen Stunden des Einrichtens, verpassen wir beinahe den entscheidenden Moment. Ich will gerade eine der Schraubzwingen lösen und damit ein Segment destabilisieren, als ich realisiere, dass unsere Messungen übereingestimmt haben. Ungläubig messen wir noch ein zweites und drittes Mal, aber es bleiben keine Zweifel. Länge, Breite, Diagonale und sogar die Abstände zur gespannten Schnur (zur Überprüfung der Flucht auf ganzer Länge) passen ganz genau. Langsam packt mich auch wieder die in den letzten Stunden leicht abhanden gekommene Euphorie und ich werde aktiv.

Alle paar Sekunden reiche ich Jan verschiedene Schrauben, die der Akku-Schrauber unermüdlich in das Fichtenholz treibt. Es ist jedes Mal ein Erlebnis den Zusammenzieheffekt der Vollgewindeschraube auf die beiden Hölzer zu beobachten. Mit jeder Schraube steigt die Vorfreude auf unser kleines Häuschen. Den Abschluss bildet zur Absicherung der Struktur eine diagonal aufgeschraubte Holzlatte, damit sich die Segmente bei den kommenden Schritten und bis zur Verbindung mit dem Anhänger nicht verziehen/verschieben.

Immer mehrere Schritte vorausplanen

Unser Tiny House Projekt verlangt eine Menge Konzentration. Wir wollen von Anfang an alles korrekt aufbauen, Fehler vermeiden und alle Aspekte im Blick haben. Leichter gesagt als getan, wenn man einerseits seit 2 Jahren plant und quasi keine Entwicklung (im praktischen Sinne) vor Augen hatte, jetzt aber direkt am Bau beteiligt ist und das Projekt mit jeder Stunde etwas mehr an Realität gewinnt. Ich muss mich ständig zur Ordnung rufen und alle weiteren Bauschritte bedenken, durchgehen und vorausplanen.

Haben wir alle später nicht mehr zugängigen Stellen ordnungsgemäß verschraubt?
Müssen jetzt bereits Bohrungen für die Wände gesetzt werden?

Am liebsten würde ich gleich mit den Wänden beginnen, dabei ist die Tiny House Bodenplatte noch nicht einmal im Ansatz fertig. Gut, dann alle Gedanken sammeln und zur Ordnung rufen. Was kommt als Nächstes? Jan verlässt sich schließlich auf meine Anweisungen und wartet schon ungeduldig. Schnell noch bei einer heißen Tasse Tee die Hände gewärmt und weiter geht es.

Eine dauerhafte Verbindung

Bevor wir den Boden umdrehen können und die Siebdruckplatten zur Abdichtung von unten anbringen können, müssen wir erst noch die Bohrungen für die Bügelschrauben platzieren. Da diese für besten Halt unmittelbar am Rahmen platziert werden sollen, setzen wir die Schrauben von unten an, markieren mit dem Bleistift und bohren die Löcher (von unten nach oben). 12 Bügelschrauben (6 Stück im vorderen und hinteren Segment, 3 pro Seite) werden in den äußeren Rahmenbalken (80 mm Stärke) der Länge nach eingesetzt, sodass diese direkt an der Verbindung des äußeren Rahmens liegen (siehe Bild). Wir verwenden aufgrund unseres Aufbaus eine Metalldicke von 10 mm, eine lichte Weite von 42 mm (LW=42 mm) und eine lichte Höhe von 170 mm (LH=170 mm).

Durch die gewählte Breite liegt das Metall dicht am Stahlträger des Anhängers an, die Länge gewährleistet genug Gewinde für das spätere Verschrauben. Der Holzbalken (und damit das gesamte Tiny House) kann somit weder zur Seite, vorne oder hinten rutschen. Die 2 übrigen U-Bügel werden im vorderen und mittleren Element an einer Überplattung verplant. Damit das Metall der U-Bügel nicht bis in den Innenraum reicht (Vermeidung von Kältebrücken), fräsen wir den Bereich zwischen den Bohrlöchern mit einer Oberfräse auf ungefähr 2 cm Tiefe aus. Dadurch können wir die Schraube im Holzbalken versenken, der 1cm bis zur Oberkante des Balkens wird mit Isoliermaterial aufgefüllt, zudem werden auf diesen Balken später die Längshölzer der Wände aufliegen. Wir können somit rundherum eine ausreichende Isolation (aus Holz) sicherstellen.


Nach Bohren der insgesamt 28 Löcher sehen Jan und ich wie zwei Holzwürmer aus. Das Abblasen durch Druckluft hilft da auch nur bedingt. Einen Rest der Holzspäne werde ich des Abends noch in meiner Unterwäsche wiederfinden.

Optimaler Schutz von unten

Um die Tiny House Bodenplatte und die später einzubringende Dämmung von unten gegen Feuchtigkeit zu schützen, werden Siebdruckplatten mit einer Stärke vom 9 mm angebracht. Haben uns die vorherigen Arbeitsschritte noch viel Zeit gekostet, geht es jetzt mit riesigen Schritten voran. Ein von Jan eingebrachter, aber wichtiger Vorschlag erinnert uns wieder daran, nicht nur das Ziel, sondern auch den Weg dahin im Auge zu behalten: Das mittlere Segment bekommt eine Siebdruckplatte, welche nach vorne und hinten um 2 cm übersteht. Diese 2cm sparen wir bei den Siebdruckplatten der beiden anderen Segmente aus. Somit liegen die Stöße von KVH und Siebdruckplatten nicht übereinander und die Segmente können zusätzlich über die Platten aneinander befestigt werden. Nach dem Vermessen und Vorbereiten geht es los:

Kleber auf den Rahmen aufbringen - Siebdruckplatte auflegen – Löcher bohren – Festschrauben

Während sich Jenny und ich um die das Bohren und Anschrauben kümmern, arbeitet Jan hinter uns her und schneidet die kleinen Überstände der Siebdruckplatten bündig ab. Als endlich die letzte Siebdruckplatte aufgebracht ist, werden alle offenen Löcher, Stöße und Kanten abgedichtet um diese gegen Feuchtigkeit zu versiegeln, sei es gegen die nass-kalte Jahreszeit mit erhöhter Luftfeuchtigkeit oder die Fahrt im (leichten) Regen oder bei nasser Fahrbahn.

Wo ist die Zeit geblieben?

Als nächsten logischen Schritt würden wir jetzt die Dichtungsmasse trocknen lassen um anschließend die Bodensegmente zurückzudrehen, diese auszurichten und miteinander zu verschrauben. Als ich auf die Uhr schaue, fällt mir zum ersten Mal auf, wie schnell die Zeit vergangen ist.

Es ist bereits kurz vor 18 Uhr und Jan möchte nach knapp 10 Stunden Arbeit auch Feierabend machen. Als mein Gehirn realisiert, dass wir heute nichts mehr bauen werden und der Tag vorbei ist, meldet sich allmählich mein Magen – ich war derart mit dem Bau beschäftigt, begeistert und fokussiert, dass mir nicht einmal aufgefallen ist, dass wir unser Mittagessen haben ausfallen lassen. Dafür freue ich mich jetzt umso mehr auf das Abendessen. Wir verabschieden uns von Jan und vereinbaren als Uhrzeit für den zweiten Bautag ebenfalls 8 Uhr. Schließlich wartet die Tiny House Bodenplatte noch auf ihre Fertigstellung - und viele weitere Arbeiten auf ihren Beginn.


Die Anspannung weicht, die Freude kehrt zurück

Auf dem Weg zu Jenny’s Großeltern fällt langsam die gesamte Anspannung des ersten Bautages von uns ab. Wir sind erleichtert den Tag überstanden zu haben, freuen uns über all die Arbeiten an denen wir teilhaben durften und werden auch nicht müde beim Abendessen den ganzen Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Die Großeltern interessieren sich schließlich auch für die Entwicklung unseres Tiny House. Nach einem überaus sättigenden Abendessen, schickt Jenny die an diesem Tag geknipsten Fotos an alle möglichen Freunde um über unseren Bauprozess auf dem Laufenden zu halten. Das Feedback ist grandios und die Menge an Fragen und Antworten erschlägt uns beinahe. Alle wünschen uns viel Erfolg und freuen sich schon auf das fertige Tiny House.

Die Uhr zeigt inzwischen bereits 22 Uhr und da wir morgen schon 7 Uhr wieder aus dem Bett müssen, wird es allerhöchste Zeit für einen erholsamen Schlaf. Eigentlich dachte ich, dass ich vor lauter kreisenden Gedanken nicht einschlafen könnte, doch ich bin nach dem ersten Bautag ordentlich geschafft und merke gar nicht, wie mir die Augenlider zufallen.

Hier geht es zu Teil 2 des Bodenbaus.

Bis bald

Marco & Jenny

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